Sorge vorm Crash? Zeitlose Anlagetipps von Warren Buffett


Start » Der Finanz-Blog » Sorge vorm Börsencrash? Das rät Warren Buffett



Veröffentlicht am 18. Januar 2026

Wer in den vergangenen Monate die Finanzpresse verfolgt hat, konnte einer Vorhersage kaum entkommen:

„Es hat sich eine gefährliche KI-Blase entwickelt und die Bewertungen der amerikanischen Tech-Unternehmen sind gefährlich hoch. Es wird zu einem brutalen Platzen der Blase kommen, die dem Dotcom-Crash Anfang der 2000er ähneln wird. Anleger werden viel Geld verlieren, wenn sie weiterhin in Aktien investieren.“

Der Vollständigkeit halber möchte ich auch die andere Seite zu Wort kommen lassen. Diese sagt:

„Die künstliche Intelligenz (KI) wird unsere Welt grundlegend verändern. Wir stehen erst am Anfang der Revolution. Die Bewertungen der US-Tech-Aktien sind zwar sehr hoch (auf historischer Basis), sie lassen sich aber rechtfertigen, wenn der KI-Sektor weiter wächst.“

Welches Lager hat jetzt recht?

Die schlechte Nachricht: Das ist leider unmöglich zu sagen.

Die gute Nachricht: Falls Sie langfristiger, systematischer und prognosefreier Anleger sind (so wie ich und alle meine Mandantinnen und Mandanten), dann können Sie die Frage größtenteils und guten Gewissens ignorieren.

  • Denn Sie investieren nur den Teil Ihres Vermögens in Aktien, den Sie in den kommenden Jahren nicht benötigen. Das heißt, dass Sie Aktienkrisen aussitzen können.
  • Sie investieren sehr breit gestreut in den globalen Aktienmarkt und übergewichten dabei günstige Qualitätsaktien.

Das rät der beste Investor der Welt

Am 31.12.2025 ist Warren Buffett, der wohl bekannteste und wahrscheinlich erfolgreichste Investor der Welt, in den Ruhestand gegangen. Im zarten Alter von 95 Jahren und nachdem er seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway 60 Jahre geleitet hat.

Gerade in Phasen hoher Unsicherheit ist es entscheidend, dass man eine Anlagephilosophie hat, auf die man sich verlassen kann. Die beinhaltet, dass nicht alles in der Welt perfekt und reibungslos läuft (was es ja nie tut), sondern damit umgehen kann, dass Märkte schwanken, Erwartungen enttäuscht werden und Prognosen regelmäßig danebenliegen.

Warren Buffett selbst hat in seiner Anlegerkarriere drei Mal 50 % seines Vermögens „verloren“. Ich benutze hier Anführungszeichen, weil es sich nur um Papierverluste handelte, denn er hat seine Aktien nicht verkauft und diese haben sich später erholt und sind weiter gestiegen.

Hier eine Zusammenfassung der zeitlosen Anlageregeln, die Warren Buffett so erfolgreich gemacht haben. Wichtig: Diese Prinzipien wurden nicht für ein bestimmtes Börsenjahr entwickelt, sondern für ein gesamtes Anlegerleben.

Prinzip 1: Investieren ist kein Wettlauf

Buffett hatte nie das Ziel, schneller zu sein als der Markt. Er wollte besser vorbereitet sein. Für ihn war klar: Wer ständig handelt, erhöht nicht seine Rendite, sondern seine Fehlerquote.

Aktien waren für ihn keine kurzfristigen Wetten, sondern langfristige Unternehmensbeteiligungen. Wer so denkt, lässt sich von Kursschwankungen weniger beeindrucken. Nicht, weil sie harmlos wären, sondern weil sie erwartet werden.

Buffett hat es einmal treffend formuliert: Die Börse sei ein Instrument, um Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen zu transferieren. Das ist keine Floskel, sondern eine nüchterne Beschreibung der Realität.

Prinzip 2: Zeit schlägt Timing

Einer der hartnäckigsten Mythen an den Kapitalmärkten ist die Vorstellung, man müsse den perfekten Einstiegszeitpunkt finden. Buffett hat davon nie viel gehalten. Seine Sichtweise ist pragmatisch: Niemand weiß zuverlässig, was als Nächstes passiert.

Was man hingegen weiß, reicht aus. Die Weltwirtschaft wächst langfristig. Unternehmen erwirtschaften Gewinne. Krisen gehören zum System. Und bisher haben sich die Märkte von jeder Krise erholt, oft schneller, als es sich während der Krise anfühlt.

Der Zinseszinseffekt wirkt nicht spektakulär, aber stetig. Und mit den Jahren nimmt er Fahrt auf. Vorausgesetzt, man lässt ihn arbeiten. Wer ständig ein- und aussteigt, unterbricht ihn immer wieder, meist genau dann, wenn Geduld besonders wertvoll wäre.

Prinzip 3: Qualität statt Aktionismus

Buffett investierte bevorzugt in Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, starken Marken und verlässlichen Cashflows.

Qualität hat einen entscheidenden Vorteil. Sie reduziert den Handlungsdruck. Wer Qualität besitzt, muss nicht permanent reagieren. Wer ständig reagieren muss, besitzt oft keine.

Buffett unterschied zudem klar zwischen Schwankungen und Risiken. Kursschwankungen gehörten für ihn dazu. Dauerhaft unprofitable Geschäftsmodelle, hohe Verschuldung oder Abhängigkeit von günstigen Rahmenbedingungen hingegen nicht.

Als Anleger kann man diese „Qualitätsaktien“ (Value-Aktien) konsequent herauspicken. Was wir in unseren Portfolios tun.

Prinzip 4: Es fühlt sich nicht immer gut an. Auch wenn es richtig ist

Ein Punkt, der bei Buffett oft übersehen wird: Seine Strategie war nicht bequem. Wer langfristig investiert, muss kurzfristige Verluste aushalten können. Das ist der Preis für Rendite.

Buffetts berühmter Satz, man solle gierig sein, wenn andere ängstlich sind, und ängstlich, wenn andere gierig sind, wird gerne zitiert, aber selten umgesetzt. Denn genau in diesen Momenten fühlt sich das Richtige meist falsch an.

An der Börse entscheidet sich der Erfolg weniger im Wissen als im Verhalten.

Prinzip 5: Kosten sind sicher – Renditen nicht

Buffett war bei aller Liebe zu Unternehmen immer auch ein Pragmatiker. Kosten wirken sicher. Renditen nicht. Deshalb hat er für die meisten Privatanleger einen erstaunlich unspektakulären Rat formuliert: breit streuen, günstig investieren, wenig handeln.

Ein kostengünstiger Indexfonds auf den globalen Aktienmarkt sei für viele Anleger sinnvoller als der Versuch, ständig klüger zu sein als der Markt. Keine Umschichtungsorgien, keine Produktideen der Woche, keine Prognosen.

Was Anleger in unsicheren Zeiten regelmäßig falsch machen

Unsicherheit ist kein Ausnahmezustand, sondern der Normalfall an den Kapitalmärkten. Mal sind es geopolitische Konflikte, mal Inflationssorgen, mal politische Experimente.

Allein in den vergangenen Wochen hatten wir die US-Militär-Intervention in Venezuela und Donald Trumps Drohung, Grönland zu annektieren. Was ihm in den nächsten drei Jahren seiner Amtszeit sonst noch einfallen wird, steht in den Sternen.

Der Wunsch in diesen Situationen, etwas tun zu müssen, ist menschlich, aber selten hilfreich.

Die wissenschaftliche Finanzmarktforschung zeigt: Dieselben Anlagefehler wiederholen sich auffällig konstant. Anleger verwechseln Schlagzeilen mit Handlungsbedarf. Anleger ändern mitten im Spiel ihre Ziele. Anleger schauen zu oft auf kurzfristige Entwicklungen und wundern sich über langfristige Nervosität.

Buffetts Ansatz ist das Gegenmodell. Denken in Jahrzehnten statt in Quartalen.

Fazit

Warren Buffett hat einmal sinngemäß gesagt, man müsse kein Genie sein, um erfolgreich zu investieren, wohl aber die Fähigkeit besitzen, die eigenen Emotionen zu kontrollieren. Das klingt unspektakulär. Es ist aber einer der Hauptgründe, warum viele Anleger scheitern. Nicht wegen fehlender Informationen, sondern wegen falscher Reaktionen auf Informationen.

Die Börse ist kein Wissensproblem. Informationen sind heute jederzeit verfügbar. Sie ist ein Verhaltensproblem. Angst, Gier und Ungeduld kosten Anleger langfristig mehr Geld als jede falsche Kennzahl.

Warren Buffett geht in den Ruhestand. Seine Lehren bleiben. Nicht, weil sie spektakulär sind, sondern weil sie belastbar sind.

Geduld, Disziplin, Verständlichkeit, niedrige Kosten und ein langer Atem sind keine modischen Konzepte. Sie sind die wenigen Konstanten in einem System, das sich ständig verändert.

Oder, um es in Buffetts Denke zu übersetzen: An der Börse geht es nicht darum, ständig etwas zu tun. Es geht darum, möglichst wenig falsch zu machen und lange genug dabei zu bleiben, damit sich das auszahlt.

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

Alle Beiträge von Achim Teske