SpaceX-Börsengang:
Kaufen oder nicht?


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Veröffentlicht am 7. Juni 2026

Am 12. Juni 2026 kommt SpaceX, Elon Musks Raumfahrtunternehmen, an die Börse.

Was wir jetzt schon wissen, ist, dass der Börsengang allein aufgrund seiner schieren Größe historisch wird. Ob er für Anleger, die die Aktie kaufen, positiv oder negativ wird, ist unklar.

Die Börsenwelt ist hier in zwei Lager geteilt:

Auf der einen Seite stehen diejenigen, die es kaum erwarten können, die Aktie zu kaufen.

Auf der anderen Seite findet man Anleger, die die Aktie nicht mit der Kneifzange anfassen würden. Einige Marktbeobachter sprechen sogar vom „größten Raub der Geschichte“.

In diesem Beitrag fasse ich wichtige Informationen zum Börsengang zusammen.

Die größte IPO-Bewertung der Geschichte

Nach aktuellen Berichten plant SpaceX einen Börsengang zu einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar. Damit wäre das Unternehmen auf Anhieb eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Hier die aktuelle Liste der wertvollsten Börsengesellschaften:

UnternehmenBörsenwert
NVIDIA5,3 Bio. USD
Apple4,6 Bio. USD
Alphabet4,5 Bio. USD
Microsoft3,1 Bio. USD
Amazon2,9 Bio. USD
TSMC2,0 Bio. USD
Broadcom1,9 Bio. USD
SpaceX (IPO)1,75 Bio. USD
Meta1,7 Bio. USD
Tesla1,4 Bio. USD

Noch bemerkenswerter: Im Jahr 2025 wurde SpaceX im privaten Markt mit rund 400 Milliarden US-Dollar bewertet. Innerhalb von weniger als zwölf Monaten hätte sich die Bewertung damit mehr als vervierfacht.

Ist diese extreme Bewertung fair?

Die Antwort lautet: Möglicherweise – aber nur unter sehr optimistischen Annahmen.

Die optimistische Sicht

Befürworter verweisen auf zwei außergewöhnliche Vermögenswerte. Da ist zum einen Starlink: Der Dienst entwickelt sich zunehmend zu einem globalen Telekommunikationsanbieter, verfügt bereits über Millionen Kunden weltweit und könnte langfristig mit klassischen Telekommunikationskonzernen konkurrieren. Zum anderen die wiederverwendbaren Raketen: SpaceX hat den Zugang zum Weltraum revolutioniert, die Falcon-Raketen dominieren heute große Teile des kommerziellen Raketenmarktes.

Hinzu kommt das Zukunftsprojekt Starship, das potenziell völlig neue Märkte erschließen könnte: Mondmissionen, Marsprogramme, Weltraumlogistik, militärische Anwendungen und Satelliteninfrastruktur.

Wer an diese Zukunft glaubt, sieht in SpaceX nicht nur ein Raumfahrtunternehmen, sondern eine Plattform für mehrere Billionen-Dollar-Märkte.

Das skeptische Argument

Im Geschäftsjahr 2025 hat SpaceX einen Umsatz von 18,7 Mrd. US-Dollar erzielt. Der Jahresverlust betrug 4,9 Mrd. US-Dollar.

Zum Vergleich: Meta (ehemals facebook) erzielte im selben Zeitraum einen Umsatz von 201 Mrd. US-Dollar und einen Gewinn von 60,5 Mrd. US-Dollar.

Die angestrebte Bewertung von SpaceX setzt somit ein enormes Wachstum voraus. Selbst Befürworter räumen ein, dass die aktuellen Umsätze nur einen Bruchteil der heutigen Bewertung rechtfertigen würden. Während etablierte Technologiekonzerne mit Billionenbewertungen häufig Hunderte Milliarden Dollar Umsatz und hohe Gewinne erzielen, basiert ein erheblicher Teil der SpaceX-Bewertung auf Erwartungen über die kommenden Jahrzehnte.

Anleger sollten deshalb zwischen zwei Komponenten unterscheiden: dem heute bereits existierenden Geschäft und den Zukunftsvisionen rund um Starship und die Raumfahrtindustrie. Die aktuelle Bewertung basiert vor allem auf Punkt 2.

Was sagt die Geschichte über hoch bewertete IPOs?

Eine Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar wäre für sich genommen bereits außergewöhnlich. Noch bemerkenswerter ist jedoch die Relation zwischen Unternehmenswert und aktuellem Umsatz bzw. dem aktuellen Gewinn.

Je nach zugrunde gelegter Umsatzschätzung würde SpaceX mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von deutlich über 40 an die Börse gehen. Damit bewegt sich das Unternehmen in einem Bereich, den bislang nur wenige große Börsenneulinge erreicht haben.

Die Kapitalmarktgeschichte liefert hier eine wichtige Erkenntnis: IPOs mit extrem hohen Bewertungen und sehr hohen Kurs-Umsatz-Verhältnissen haben sich im Durchschnitt eher enttäuschend entwickelt.

Das bedeutet nicht, dass diese Unternehmen gescheitert wären. Viele entwickelten sich operativ durchaus erfolgreich. Das Problem war vielmehr, dass die Erwartungen der Anleger bereits zum Zeitpunkt des Börsengangs außerordentlich hoch waren.

Doch zwischen Vision und Umsetzung liegt oft ein langer Weg. Produktionsprobleme, regulatorische Hürden, neue Wettbewerber oder schlicht langsameres Wachstum als erwartet können dazu führen, dass selbst erfolgreiche Unternehmen die Hoffnungen der Investoren nicht vollständig erfüllen.

Wenn bereits sehr optimistische Annahmen im Aktienkurs enthalten sind, wird das Aufwärtspotenzial begrenzt. Umgekehrt können bereits kleine Enttäuschungen zu deutlichen Kursrückgängen führen.

Anders formuliert: Bei hoch bewerteten IPOs reicht es oft nicht aus, ein großartiges Unternehmen zu sein. Das Unternehmen muss die bereits eingepreisten Erwartungen über viele Jahre hinweg erreichen oder übertreffen.

Der IPO-Pop: Warum die ersten Börsentage wenig aussagen

Bei Börsengängen geht es auch immer um Gier und FOMO (Fear Of Missing Out). Viele (spekulative) Anleger hoffen auf einen sogenannten IPO-Pop. Damit ist ein kräftiger Anstieg am ersten Handelstag gemeint.

Historisch gesehen sind IPO-Pops keineswegs ungewöhnlich. Sie entstehen häufig durch eine Kombination aus begrenztem Aktienangebot, hoher medialer Aufmerksamkeit, starker Nachfrage institutioneller Investoren und privater Anlegern, die „dabei sein wollen“. Vor allem die letzteren scheinen besonders enthusiastisch zu sein.

Ein kräftiger IPO-Pop wird häufig als Beweis für einen erfolgreichen Börsengang interpretiert. Tatsächlich sagt er jedoch wenig über den langfristigen Anlageerfolg aus.

Im Gegenteil: Gerade die am stärksten gehypten Börsengänge entwickeln sich in den Jahren nach dem IPO häufig schwächer als viele Anleger erwarten.

Ein spektakulärer Börsenstart macht aus einer Aktie noch kein gutes Investment.

Die Rolle von Indizes und ETFs

Der vielleicht spannendste Aspekt des Börsengangs betrifft die Rolle der Indexanbieter und folglich auch der Indexfonds. Diese sind gezwungen, SpaceX-Aktien zu kaufen, sobald diese in den Index aufgenommen werden, den sie replizieren.

Kritiker argumentieren, dass der Börsengang von SpaceX akribisch als Mechanismus geplant wird, mit dem bestehende SpaceX-Investoren ihre Anteile mit einer künstlich erhöhten Bewertung in passive Indexfonds abstoßen können.

Große Indexanbieter haben typischerweise strenge Regeln, etwa jahrelange Wartezeiten, für die Aufnahme neuer Unternehmen in ihre Indizes.

Einige Indexanbieter, z. B. Nasdaq 100 und FTSE Russell, haben diese Regeln für den SpaceX-Börsengang geändert und erlauben jetzt eine beschleunigte Indexaufnahme, teilweise schon nach 5 Tagen, wofür sie teilweise stark kritisiert wurden.

Dies wird dazu führen, dass ETFs, die diese Indizes abbilden, gezwungen sein werden, die SpaceX-Aktie automatisch kaufen zu müssen. Egal wie hoch der Preis.

S&P und Dow Jones haben sich gegen eine beschleunigte Aufnahme entschieden.

Hinzu kommt, dass SpaceX nur rund 4 % der Gesamtaktien auf den Markt bringen wird. Kritiker befürchten, dass dies einen massiven Nachfrageschock auslösen wird. Dieser technische Effekt ermöglicht es den bestehenden Teilhabern, ihre Anteile zu erhöhten Preisen an passive Fonds zu verkaufen.

Der Vorteil von aktiven ETFs

Ich setze in meiner Beratung zum weit überwiegenden Teil sogenannte aktive Aktien-ETFs ein. Diese Fonds folgen keinem starren Index. Stattdessen folgen sie einem regelbasierten Ansatz, der auf finanzwissenschaftlich belegten Prinzipien basiert.

Das bedeutet: keine automatische Kaufpflicht, keine erzwungene Indexnachbildung und eine flexible Gewichtung einzelner Aktien.

Diese Fonds werden SpaceX wahrscheinlich erst dann aufnehmen, wenn die Bewertung sich normalisiert hat.

Fazit: Großartiges Unternehmen und auch großartige Aktie?

SpaceX ist zweifellos eines der faszinierendsten Unternehmen unserer Zeit. Das Unternehmen besitzt einzigartige Wettbewerbsvorteile, dominiert den kommerziellen Raketenmarkt und verfügt mit Starlink über ein zweites potenzielles Milliarden-Geschäft.

Doch die entscheidende Frage für Anleger lautet nicht, ob SpaceX ein außergewöhnliches Unternehmen ist. Denn ein großartiges Unternehmen ist nicht automatisch auch ein großartiges Investment.

Die entscheidende Frage lautet: Ist die Bewertung fair? Oder wird der Preis künstlich aufgeblasen, um den bestehenden Anlegern einen lukrativen Ausstieg zu ermöglichen? Keiner weiß es.

Die gute Nachricht: Selbst wenn der Preis künstlich aufgeblasen sein sollte, wird dies keine drastischen Auswirkungen auf Indexfonds-Anleger haben. Denn das Gewicht von SpaceX etwa im Nasdaq 100 wird bei circa 1 % liegen. In den Welt-Indizes von MSCI und FTSE wird der Anteil von SpaceX bei rund 0,1 % liegen.

Anders sieht das Risiko für Anleger aus, die überlegen, die Aktie direkt zu kaufen. Auf Basis der Bewertung ist die Empfehlung klar: Nicht kaufen.

Auf der anderen Seite: Man mag über Elon Musk als Person denken, was man möchte. Eines ist aber klar: Er ist ein Genie und hat Dinge erreicht, die für unmöglich gehalten wurden.

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

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