Altersvorsorgedepot:
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Veröffentlicht am 24. Mai 2026

Vor einem Jahr habe ich den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung aus Sicht eines Vermögensberaters beurteilt. Mein damaliges Urteil: Schulnote 4 minus.

Mit anderen Worten: Meine Erwartungen, dass die Bundesregierung die lange überfälligen Reformen einleiten würde, damit Deutschland sich endlich zu einem Land von Investoren statt Sparern entwickelt, waren gering.

Vor kurzem wurde ich von der Regierung überrascht. Und zwar positiv.

Die Regierung hat nämlich das neue Altersvorsorgedepot, das die Riester-Rente ablösen wird, vorgestellt. Und dabei ist ein modernes Finanzprodukt herausgekommen. Kapitalmarktorientiert, ETF-fähig und kostengünstig.

Der nette Nebeneffekt: Die provisionsbasierte Finanzindustrie, die einen nicht unerheblichen Anteil am Riester-Desaster hatte, hat einen Schuss vor den Bug bekommen. Und wird möglicherweise Millionen von Kunden verlieren, die von ihren Riester-Renten zum Altersvorsorgedepot wechseln werden. Die bisher erhaltenen Zulagen dürfen Riester-Anleger übrigens mitnehmen. 

Warum die Riester-Rente gescheitert ist

Das neue Altersvorsorgedepot ersetzt ab dem 01.01.2027 die Riester-Rente.

Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt. Ziel war es, die sinkende Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung durch staatlich geförderte private Vorsorge auszugleichen.

Mehr als zwei Jahrzehnte später fällt die Bilanz ernüchternd aus. Zeitweise gab es über 16 Millionen Verträge. Viele davon ruhen heute oder werden nicht mehr bespart. Rund zehn Millionen aktive Verträge existieren noch.

Die Hauptgründe für das Scheitern: Hohe Abschluss- und Vertriebskosten. Intransparente Gebührenstrukturen. Teure Versicherungsmäntel. Geringe Aktienquoten. Garantievorgaben, die schwache Renditen erzwangen. Und massive Interessenkonflikte im provisionsgetriebenen Vertrieb.

Die Politik zieht nun die Konsequenz. Zum 31. Dezember 2026 endet die Riester-Rente. Ab 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot.

Das neue Altersvorsorgedepot: Eine Übersicht

Eins vorweg: In Deutschland ist bei finanziellen und steuerlichen Angelegenheiten ja selten etwas einfach. Auch das neue Altersvorsorgedepot ist komplex und es müssen zahlreiche Faktoren beachtet werden.

Das Altersvorsorgedepot ist für die meisten Anleger jedoch eine deutliche Verbesserung gegenüber der Riester-Rente: Stärker kapitalmarktorientiert. Kostengünstiger. ETF-fähig. Steuerlich attraktiver.

Wichtig: In einigen Situationen kann es vorteilhafter sein, einen bestehenden Riester-Vertrag fortzuführen. Dies hängt von der individuellen Situation ab.

Im Kern erinnert das Modell an internationale Vorsorgedepots wie das 401(k)-Modell aus den USA – allerdings mit deutschem Fördermechanismus.

Die staatliche Förderung ist wie folgt strukturiert:

Eigenbeitrag pro JahrStaatliche Förderung
Bis 360 Euro50 Cent je eingezahltem Euro
361 bis 1.800 Euro25 Cent je zusätzlichem Euro
Maximale Förderung540 Euro pro Jahr

Wer also 1.800 Euro jährlich einzahlt, bekommt 540 Euro vom Staat geschenkt (30 % zusätzlich) und investiert dadurch insgesamt 2.340 Euro pro Jahr. Die Eigenbeiträge können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.

Außerdem gibt es je kindergeldberechtigtem Kind pro eingezahltem Euro einen Euro Förderung. Die maximale Zulage pro Kind ist 300 Euro.

Ein großes Plus: Ab nächstem Jahr können auch Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke, z. B. Ärzte, Steuerberater, Notare und Rechtsanwälte, Förderungen erhalten.

Warum das Modell gerade für Gutverdiener interessant ist

Hier wird es für die Leser dieses Blogs besonders relevant. Anleger mit hohen Grenzsteuersätzen profitieren nicht nur von den Zulagen, sondern zusätzlich von Steuererstattungen.

Noch interessanter: Das Gesetz erlaubt zusätzliche Einzahlungen oberhalb des geförderten Bereichs von bis zu 5.040 Euro pro Jahr, die während der Ansparphase abgeltungssteuerfrei sind. 

Erstmals entsteht damit ein staatlich geförderter Vermögensaufbau mit deutlich größeren Volumina als bisher.

Das erklärt auch, warum Verbraucherschützer bereits jetzt eine massive Vertriebswelle erwarten.

Die Vertriebsmaschine wird angeworfen

Genau hier sollten Anleger sehr aufmerksam werden.

Die Finanzindustrie steht vor einer historischen Vertriebschance. Millionen bestehende Riester-Verträge könnten in neue Altersvorsorgedepots überführt werden. Millionen neue Verträge können abgeschlossen werden.

Und damit droht sich die Geschichte zu wiederholen.

Verbraucherschützer warnen bereits davor, dass steuerliche Vorteile massiv als Marketinginstrument genutzt werden.

Dabei gilt wie immer: Nicht die Steuerersparnis entscheidet über den langfristigen Vermögensaufbau. Sondern die Nettorendite nach Kosten und Steuern.

Was vermögende Anleger besonders beachten sollten

Ein Punkt wird häufig übersehen: Das Altersvorsorgedepot ist kein vollständig freies Vermögensdepot.

Wer Förderungen erhält, muss Regeln einhalten. Kapitalbindung bis mindestens 65. Vorgaben zur Auszahlung. Versteuerung in der Auszahlungsphase. Mögliche Rückzahlung von Zulagen bei vorzeitigem Zugriff.

Vermögende Anleger sollten deshalb genau rechnen. Wie hoch ist der tatsächliche Steuervorteil? Welche Flexibilität geht verloren? Wie hoch sind die Gesamtkosten? Und vor allem: Wie entwickelt sich die Nachsteuerrendite über die gesamte Laufzeit?

Warum ETFs die beste Lösung bleiben

Die große Chance des Altersvorsorgedepots liegt nicht in komplizierten Versicherungslösungen. Sondern in kostengünstigen ETF-Portfolios mit breiter Diversifikation, hoher Aktienquote und minimalen laufenden Kosten.

Das ist der fundamentale Unterschied zur klassischen Riester-Rente.

Wenn das neue System funktioniert, dann deshalb, weil Kapitalmarktinvestments erlaubt werden, Kosten sinken und provisionsgetriebene Fehlanreize reduziert werden. Nicht weil jemand eine neue Produktverpackung erfunden hat.

Fazit

Das neue Altersvorsorgedepot könnte die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend verbessern. Die Kombination aus staatlicher Förderung, Steuerstundung, ETF-Investments und langfristigem Vermögensaufbau hat enormes Potenzial.

Achtung: Jetzt nichts überstürzen. Das neue Altersvorsorgedepot ist zwar beschlossen, aber viele praktische Details sind noch offen. Welche Anbieter auf den Markt kommen, wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen, welche ETFs und Strategien erlaubt werden, wie die Übertragung bestehender Riester-Verträge konkret funktioniert – all das steht noch nicht fest.

Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Finanzindustrie erneut vor allem eigene Interessen optimiert.

Deshalb gilt mehr denn je: Anleger sollten Kosten, Flexibilität und steuerliche Auswirkungen vollständig verstehen – bevor Verträge abgeschlossen oder bestehende Riester-Verträge übertragen werden.

Spoiler: Die Honorarfinanz entwickelt derzeit ein eigenes Altersvorsorgedepot auf Honorarbasis. Mit Fokus auf niedrige Kosten, wissenschaftlich fundierte ETF-Portfolios, maximale Transparenz und langfristigen Vermögensaufbau statt Produktvertrieb.

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

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