Süddeutsche Zeitung Depotcheck: Job weg, hohe Abfindung auf dem Konto. Und jetzt?


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Veröffentlicht am 8. November 2026

Zahlreiche Unternehmen bauen derzeit hoch bezahlte Führungspositionen ab. Betroffen sind oft Spitzenverdiener Ü50. Menschen, die jahrelang sehr gut verdient haben, aber oft noch weit vom regulären Renteneintritt entfernt sind. Und nun mit einer Abfindung auf dem Konto vor der Frage stehen: Wie geht es weiter?

Und: Reicht mein Geld für einen entspannten Ruhestand?

Genau in dieser Situation befindet sich Frank.

Vor Kurzem hat mich die Süddeutsche Zeitung im Rahmen ihrer Depotcheck-Serie gebeten, sein Portfolio zu analysieren. Frank ist 58 Jahre alt, angestellt und lebt im Raum München. Er muss seinen Arbeitgeber verlassen und erhält dafür eine Abfindung im mittleren sechsstelligen Bereich.

Sein Depot ist rund 875.000 Euro groß. Dazu kommt ein Haus, das Frank und seine Frau für 1,4 Millionen Euro gekauft haben. Die Restschuld liegt noch bei etwa 500.000 Euro.

Frank hat zwei Ziele. Er möchte seinen beiden Kindern ein Erbe ohne Schulden hinterlassen. Und er möchte seine Rentenlücke möglichst klein halten.

Seine Frage an mich: Was sollte er jetzt konkret tun, um seine Finanzen auf die Rentenphase auszurichten?

Zwei Volltreffer und zwei Klumpenrisiken

Vorweg: Frank hat vieles richtig gemacht. Er hat sehr gut verdient, früh und diszipliniert gespart, aus schlechten Erfahrungen mit dem Grauen Kapitalmarkt gelernt, eigenständig in Aktien investiert und eine vernünftige Reserve angelegt.

Und sein Portfolio hat sich hervorragend entwickelt.

Das liegt vor allem an zwei Positionen. Über viele Jahre hat Frank von seinem Arbeitgeber Mitarbeiteraktien von Microsoft erhalten. Sie machen heute rund 41 Prozent seines Depots aus. Dazu kommt Gold mit gut 30 Prozent. Frank hat das Edelmetall als sehr wertstabil erlebt. Den Rest teilen sich die Aktie von Berkshire Hathaway, einige weitere Einzelaktien sowie mehrere ETFs und Fonds.

Zusammen stecken damit über 70 Prozent seines Depots in nur zwei Anlagen.

Beide haben sich in der Vergangenheit ausgezahlt. Die Kehrseite der Medaille: Frank hat mit diesen konzentrierten Wetten zwei Klumpenrisiken aufgebaut.

Auch Gewinner haben Durststrecken

Viele Anleger schließen aus der Vergangenheit auf die Zukunft. Microsoft ist eines der stärksten Unternehmen der Welt. Warum sollte sich das ändern?

Vielleicht ändert es sich nicht.

Doch Studien haben gezeigt, dass nur rund vier Prozent aller Aktien sogenannte Gewinner-Aktien sind. Sie sind es, die die globalen Aktienmärkte langfristig nach oben ziehen. Microsoft war in der Vergangenheit eine dieser Aktien. Ob sie es auch in Zukunft sein wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen.

Und selbst Gewinner-Aktien haben lange Durststrecken. Wer Microsoft auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase Ende 1999 kaufte, musste mehr als zehn Jahre warten, bis der Kurs wieder dieses Niveau erreichte.

Mehr als zehn Jahre.

Für einen 58-Jährigen ist das eine sehr lange Zeit.

Beim Gold sieht es nicht anders aus. Der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und erreichte im März 2026 sein Allzeithoch von rund 5.500 US-Dollar. Anfang November 2026 lag er bei rund 3.900 US-Dollar, also fast 30 Prozent darunter.

In den 1980er- und 1990er-Jahren erlebte Gold sogar eine rund 20-jährige Schwächephase mit fallenden beziehungsweise stagnierenden Preisen. Hinzu kommt: Gold erwirtschaftet keine laufenden Erträge. Anleger sind allein auf (unsichere) Wertzuwächse angewiesen.

Man muss sich deshalb im Klaren sein: Auch Gold ist eine reine Spekulation.

Vom schlechteren Ende her denken

Damit kommen wir zu einem Punkt, der für viele vermögende Anleger in der zweiten Lebenshälfte entscheidend ist.

In der Aufbauphase geht es darum, Vermögen zu vermehren. Ein Rückschlag ist ärgerlich, aber er lässt sich mit Zeit und weiteren Sparraten ausgleichen.

Mit Ende 50 dreht sich die Logik um. Jetzt steht das Risikomanagement im Vordergrund. Man sollte das Vermögen, das man aufgebaut hat und künftig noch braucht, nicht unnötig riskieren.

Natürlich können Microsoft und Gold auch weiterhin gut laufen. Doch da das niemand vorhersehen kann, sollte man es vom schlechteren Ende her denken.

Was passiert, wenn es nicht gut geht?

Ein Beispiel: Würde sich der Kurs von Microsoft halbieren, wie es nach dem Platzen der Dotcom-Blase geschehen ist, verlöre Franks Depot allein dadurch rund 180.000 Euro. Fällt gleichzeitig der Goldpreis weiter, wird der Betrag noch größer.

Mit 58 Jahren lässt sich so etwas nicht mehr einfach ausbügeln. Es könnte die Qualität seines Ruhestands und das Erbe für seine Kinder ernsthaft gefährden.

In dieser Lebensphase lautet die entscheidende Frage deshalb nicht: Wie viel kann ich noch herausholen? Sondern: Was darf auf keinen Fall schiefgehen?

Meine Empfehlung an Frank: zwei Schritte

Frank sagt selbst, dass er viele Stränge entwirren möchte. Ich habe ihm deshalb eine klare Reihenfolge empfohlen.

Schritt 1: Erst planen. Gemeinsam mit einem Finanzplaner sollte Frank eine detaillierte Bestandsaufnahme und Ruhestandsplanung erstellen. Dabei werden alle Vermögenswerte und Zahlungsströme in einer Bilanz erfasst. Auch mögliche Erbschaften und verschiedene Szenarien zur Rückzahlung des Immobilienkredits gehören dazu.

Ob sich freiwillige Zahlungen in die gesetzliche Rente lohnen, kann ein spezialisierter Rentenberater analysieren. Mein Gefühl: Eine höhere gesetzliche Rente würde in Franks Fall keinen großen Unterschied machen. Es würden aber liquide Mittel abfließen, und Frank würde die Kontrolle über dieses Geld verlieren.

Schritt 2: Dann umschichten. Franks liquides Vermögen beruht fast vollständig auf zwei spekulativen Pfeilern. Was fehlt, ist eine Kapitalanlage, die ihm während der Neuorientierung Sicherheit gibt.

  • Microsoft und Berkshire Hathaway: deutlich reduzieren. Die Erlöse fließen in breit streuende, globale Aktien-ETFs, zum Beispiel mit 50 Prozent USA, 20 Prozent Europa und 30 Prozent Asien und Schwellenländern.
  • ETFs: von sechs auf zwei oder drei reduzieren. Den aktiv gemanagten Ökoworld Ökovision mit laufenden Kosten von 2,23 Prozent pro Jahr würde ich verkaufen.
  • Gold: stark reduzieren. Als Beimischung von fünf bis zehn Prozent halte ich Gold für vertretbar, als tragende Säule der Altersvorsorge nicht.
  • Anleihen: Für Stabilität und Sicherheit bieten sich Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität an, die Anfang November 2026 Renditen von vier Prozent oder mehr erzielten. Die Abfindung könnte zum Beispiel genau hier investiert werden.

So wird aus einem Depot mit zwei großen Wetten ein Portfolio, das auch dann funktioniert, wenn einzelne Anlagen nicht mitspielen.

Zwei Verträge sollte er außerdem unbedingt prüfen lassen: seine Lebensversicherung und seine Rürup-Rente. Wir haben mehr als 4.000 Lebens- und Rentenversicherungen begutachtet. 92 Prozent davon waren finanziell nachteilig. Bei der Rürup-Rente sollte zusätzlich geprüft werden, ob ein Widerruf und eine Rückabwicklung möglich sind.

Fazit

Die gute Nachricht: Mit einem Nettovermögen von geschätzt 2,1 Millionen Euro sollte Frank einem komfortablen Ruhestand entgegensehen können. Ein Erbe ohne Schulden und eine kleine Rentenlücke sind gut miteinander vereinbar.

Vorausgesetzt, es gelingt ihm, die Risiken kleiner zu halten.

Die Abfindung ist dafür ein guter Zeitpunkt. Sie verschafft ihm frisches Kapital für einen stabilen Depotteil.

Frank muss nicht mehr reich werden.

Er muss reich bleiben.

Den vollständigen Depotcheck mit allen Details zu Franks Portfolio können Sie HIER in der Süddeutschen Zeitung nachlesen (hinter der Paywall).

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

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