Der wahre Preis von Festgeld:
Die verpassten Renditen


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Veröffentlicht am 21. Juni 2026

In den vergangenen Monaten sind die Festgeldzinsen deutlich angestiegen. Einige Anbieter zahlen inzwischen wieder um die 3 % Zinsen. Für diese Entwicklung gibt es zwei Hauptgründe:

  • Durch die Irankrise ist die Inflation angestiegen und lag in Deutschland im Mai bei 2,6 %. Als Reaktion hat die Europäische Zentralbank den Einlagensatz am 11. Juni auf 2,25 % erhöht. Dies ist die erste Zinserhöhung seit drei Jahren.
  • Zahlreiche Banken und Neobroker sind aggressiv auf Kundenfang und nutzen, oft quersubventionierte, hohe Festgeldzinsen als Lockvogel.

Auf den ersten Blick wirken steigende Einlagenzinsen positiv für Anleger. Bei genauerer Betrachtung sind vermeintlich attraktive Festgeldzinsen regelmäßig schädlich für unser Vermögen.

Die Rückkehr des Festgelds

Die aktuellen Ereignisse erinnern mich an das Jahr 2022, als aufgrund des Ukraine-Kriegs die Zinsen ebenfalls stark anstiegen.

Nach Jahren der Nullzinspolitik leitete die Europäische Zentralbank im Jahr 2022 die stärkste Zinswende ihrer Geschichte ein. Die Inflation erreichte Rekordwerte, und die EZB erhöhte die Leitzinsen in kurzer Zeit massiv.

Plötzlich zahlten Banken wieder Zinsen. Teilweise bis zu 4 %.

Für viele Anleger fühlte sich das wie die Rückkehr einer alten, vertrauten Anlageklasse an.

Nach vielen Jahren mit Nullzinsen oder sogar Strafzinsen wirkten Tages- und Festgeld wieder attraktiv.

Doch die entscheidende Frage lautet:

Attraktiv im Vergleich wozu?

Der Unterschied zwischen Nominalzins und Vermögenswachstum

Ein 1 Mio. Euro Tagesgeld mit 3 % Verzinsung liefert abzüglich 25 % Kapitalertragsteuer und Soli (insgesamt 7.912,50 Euro) 22.087,50 Euro Zinserträge pro Jahr. Dies ist eine Netto-Verzinsung von 2,2 %.

Das klingt zunächst mal nicht schlecht.

Das Problem: Die Inflation liegt aktuell bei 2,6 %. Und wird wahrscheinlich auch nicht deutlich sinken.

Die sogenannte reale Rendite, das ist die Rendite nach Steuern, Kosten und Inflation, eines 3 % Festgelds liegt somit bei minus 0,4 %.

Das Vermögen auf dem Konto wächt zwar stetig. Aber die Kaufkraft sinkt.

Das ist keine sinnvolle Kapitalanlage und kein Vermögensschutz.

Ein Praxisbeispiel: 1 Million Euro seit der Zinswende

Stellen wir uns einen Anleger vor, der im Sommer 2022 über 1 Million Euro verfügte.

Er hatte zwei Möglichkeiten:

Variante 1: Tagesgeld mit 3 %

Nach dreieinhalb Jahren wären daraus ungefähr 1,07 Millionen Euro geworden (nach Steuern und Soli).

Ein Gewinn von rund 67.000 Euro.

Variante 2: Investition in den DAX

Der DAX notierte im Sommer 2022 um die 13.000 Punkten.

Heute steht er bei circa 25.000 Punkten.

Aus 1 Million Euro wären dadurch ungefähr 1,8 bis 1,9 Millionen Euro geworden.

Der Unterschied zwischen einem Aktieninvestment und einer Festgeldanlage betrug also 700.000 bis 800.000 Euro.

Die Illusion der Sicherheit

Viele Anleger empfinden Festgeld als sicher.

Kurzfristig stimmt das.

Der Kontostand nimmt laufend zu. Das fühlt sich gut an.

Auf der anderen Seite können die täglichen (schlechten) Nachrichten und Börsenschwankungen für Nervosität bei Aktienimvestoren sorgen.

Die größte Gefahr für das Vermögen sind aber nicht die Börsenschwankungen. Diese gehören von jeher bei Aktien dazu. Börsenschwankungen sind wie Turbulenzen beim Fliegen. Unangenehm, aber sie gehen irgendwann vorbei.

Die größte Gefahr für Anleger ist eine dauerhaft zu niedrige Rendite. Und der damit verbundene Kaufkraftverlust des Vermögens.

Was erfolgreiche Anleger anders machen

Alle meine Mandanten halten selbstverständlich ausreichende Liquiditätsreserven.

Diese Reserven sind genau berechnet und werden nicht in Tages- oder Festgeld geparkt. Sondern in kurzlaufenden Anleihen, die aktuell zwischen 3,0 und 5,5 % Rendite erzielen. Bei täglicher Verfügbarkeit.

Das restliche Kapital, das mittelfristig nicht benötigt wird, wird in Aktien investiert.

Fazit

Die gestiegenen Zinsen haben Festgeld optisch attraktiver gemacht.

Trotzdem ist Festgeld aufgrund seiner meist negativen realen Verzinsung keine attraktive, langfristige Kapitalanlage.

Wer Vermögen real erhalten und vermehren möchte, benötigt Aktien.

Das heißt nicht, dass man sich kopfüber in Aktien stürzen muss.

Viele meiner Mandanten haben ausgewogene Portfolios mit beispielsweise 40 % Aktien und 60 % Anleihen.

Diese Portfolios haben in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 5,5 % pro Jahr erzielt.

Das bedeutet Vermögenserhalt bei sehr moderaten Schwankungen und gleichzeitig hoher Sicherheit und Liquidität.

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

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