89 % aller Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Basisrenten („Rürup-Renten“) und Verträge der betrieblichen Altersvorsorge sind nicht zur Altersvorsorge und zum realen Vermögensaufbau geeignet.
Nutzen Sie Versicherungen zur Altersvorsorge? Fragen Sie sich, ob diese Verträge (noch) sinnvoll sind?
Genau um dieses Thema geht es in meinem Gastbeitrag auf dem Hartmut Walz Finanz-Blog. Hier der LINK.
Im diesem Beitrag fasse ich die wichtigsten Punkte zusammen:
- Warum Sie fünf- oder sechsstellige Eurobeträge gewinnen, wenn Sie Ihre Lebensversicherungen überprüfen.
- Wie Sie durch eine Rückabwicklung bis zu 80 % mehr Geld aus Ihrer Versicherung erhalten können.
- Wie Sie doch noch aus ihrer unkündbaren Basisrente („Rürup-Rente“) herauskommen können.
- Warum Sie unbedingt vor dem 19.06. tätig werden sollten.
„Was ist schlimmer als nicht versichert zu sein? Zu glauben, man sei versichert – und dann ist man es gar nicht.“
Diesen Satz sagte der Nobelpreisträger Robert F. Merton auf einer Fortbildung für Honorarberater in Berlin, zu der ich vor einigen Jahren eingeladen war. Seitdem denke ich fast täglich daran.
Denn meine Mitarbeiter und ich haben seit 2017 mehr als 4.000 kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen geprüft. Die Ergebnisse waren ernüchternd:
- Jede zweite Versicherung befand sich in der Verlustzone.
- Nur etwa jeder neunte Vertrag erzielte nach Kosten, Steuern und Inflation überhaupt eine reale Rendite.
Mit anderen Worten: Die große Mehrheit der geprüften Verträge war für den langfristigen Vermögensaufbau ungeeignet.
Die unbequeme Wahrheit über Lebensversicherungen
Lebensversicherungen gehören noch immer zu den beliebtesten Finanzprodukten in Deutschland. Über 80 Millionen Verträge existieren – jedes Jahr kommen Millionen neue hinzu.
Dabei erleben viele Anleger bei Auszahlung ihrer Verträge eine böse Überraschung: Die ursprünglich prognostizierten Ablaufleistungen werden häufig nicht erreicht.
Ein zentraler Grund dafür sind die hohen Kosten vieler Policen.
Versicherungsverträge enthalten typischerweise:
- Abschluss- und Vertriebskosten
- laufende Verwaltungskosten
- Kosten der Kapitalanlage
- Risikokosten
In unserer Erfahrung summieren sich diese Belastungen häufig auf 15 % bis 40 % der gesamten Beitragssumme.
Ein Beispiel:
Wer über die Laufzeit insgesamt 100.000 Euro einzahlt, verliert unter Umständen 15.000 bis 40.000 Euro allein durch Kosten. Dieses Geld fehlt beim Vermögensaufbau.
Warum werden trotzdem so viele Lebensversicherungen verkauft?
Nach unserer Erfahrung gibt es dafür drei Hauptgründe:
1. Fehlanreize im Vertrieb
Finanzberatung muss vergütet werden. Daran ist grundsätzlich nichts falsch.
Problematisch wird es jedoch, wenn Vergütungsmodelle wirtschaftliche Anreize schaffen, die nicht vollständig mit den Interessen des Kunden übereinstimmen.
Gerade bei Lebensversicherungen spielen Provisionen traditionell eine große Rolle.
Typische Vergütungsbestandteile sind:
- Abschlussprovisionen
- laufende Bestandsprovisionen
- zusätzliche Provisionen auf Beitragsdynamiken
Diese Kosten trägt letztlich der Kunde.
2. Fehlende Transparenz
Versicherungskunden erhalten jedes Jahr eine sogenannte Standmitteilung. Diese ist aber oft unverständlich.
Die tatsächliche Rendite nach Kosten, Inflation und Steuern bleibt für Verbraucher oft intransparent.
Das führt dazu, dass problematische Verträge teilweise jahrzehntelang weitergeführt werden, obwohl sie wirtschaftlich wenig sinnvoll sind.
3. Der starke Fokus auf Steuervorteile
Besonders häufig werden Lebens- und Rentenversicherungen über steuerliche Vorteile verkauft.
Dabei wird oft übersehen:
Steuerersparnis allein ist kein Vermögensaufbau.
Entscheidend ist die Nettorendite nach allen Kosten und Steuern.
Gerade Basisrenten („Rürup-Renten“) werden häufig stark über steuerliche Aspekte vermarktet, obwohl die langfristige Wirtschaftlichkeit vieler Verträge fragwürdig ist.
Ein zynischer Zusammenhang zeigt sich dabei immer wieder:
Manche Verträge verursachen deshalb wenig Steuern, weil sie kaum oder gar keine Gewinne erwirtschaften.
Gibt es auch sinnvolle Lebensversicherungen?
Ja – aber sie sind selten.
Bestimmte Nettopolicen mit ETF-Investments können unter Umständen sinnvoll sein, insbesondere bei größeren Vermögen oder im Rahmen der Vermögensnachfolge.
Allerdings liegt der Marktanteil solcher modernen Produkte im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Und selbst dort können hohe Verwaltungs- oder Betreuungskosten die Vorteile wieder zunichtemachen.
So überprüfen Sie Ihre Lebensversicherung
Viele Anleger können eine erste Prüfung selbst durchführen.
Schritt 1: Beiträge zusammenrechnen
Addieren Sie alle bisher eingezahlten Beiträge.
Schritt 2: Aktuellen Vertragswert prüfen
Vergleichen Sie die Beitragssumme mit dem aktuellen Rückkaufswert bzw. Vertragswert.
Schritt 3: Rendite bewerten
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Rendite wurde tatsächlich erzielt – nach Kosten?
Bei klassischen Policen sollte die Rendite zumindest die Inflation ausgleichen.
Bei fondsgebundenen Verträgen sollte sie sich langfristig an den Renditen der Kapitalmärkte orientieren. Faustformel: Fondspolicen sollten 5 % bis 7 % Rendite pro Jahr erwirtschaften.
Wer über viele Jahre deutlich hinter marktüblichen Renditen zurückbleibt, sollte den Vertrag kritisch hinterfragen.
Der mögliche Notausgang: Widerruf und Rückabwicklung
Wir kommen zum vielleicht am besten gehüteten Geheimnis der Versicherungsbranche.
Durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs besteht bei Lebens- und Rentenversicherungen ein sogenanntes „ewiges Widerrufsrecht“.
Das bedeutet: Wurden Verbraucher beim Vertragsabschluss nicht korrekt über ihre Rechte belehrt, kann unter Umständen auch Jahre später noch ein Widerruf möglich sein. Der Widerruf führt zur Rückabwicklung der Versicherung. Versicherungskunden erhalten fast ihre gesamten Beiträge zurück und zusätzlich eine Entschädigung.
Im Ergebnis können Sie zwischen 15 % und 80 % mehr Geld aus ihrer Versicherung erhalten.
Und Sie können doch noch aus einer eigentlich unkündbaren Basisrente („Rürup-Rente“) herauskommen.
Wir haben inzwischen eine dreistellige Zahl solcher Verfahren begleitet.
In unserer Erfahrung sind rund 40 % der Verträge angreifbar.
Achtung: Am 19.06.2026 tritt eine Gesetzesänderung in Kraft, die das Widerrufsrecht bei der Versicherungen deutlich einschränkt.
Es ist derzeit rechtlich nicht geklärt, ob bestehende Versicherungen („Altverträge“) ab dem 19.06.2026 noch widerrufen werden können. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte seine Versicherungen schnellstmöglich prüfen und ggfs. vor dem 19.06.2026 widerrufen.
Fazit
Lebensversicherungen gehören für viele Menschen zu den größten finanziellen Entscheidungen ihres Lebens.
Aufgrund fehlender Informationen unterschätzen viele Anleger massiv, welchen Einfluss Kosten, Inflation und Steuern auf ihre tatsächliche Rendite haben.
Deshalb gilt: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte seine Lebens- und Rentenversicherungen auf Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüfen.
Falls Sie Ihre Lebensversicherung nicht selbst prüfen möchten, dann können Sie unseren professionellen Versicherungs-Check beauftragen. Wir berechnen Versicherungen finanzmathematisch und lassen sie durch einen externen Fachanwalt auf die Möglichkeit eines Widerrufs prüfen.
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Achim TeskeAchim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.
