Wetterfeste Portfolios:
So sichern Sie Ihr Vermögen gegen Krisen ab


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Veröffentlicht am 15. März 2026

„Der Iran-Krieg wird nicht mehr lange dauern.“

Mit diesen Worten versuchte Donald Trump Anfang der Woche, die Kapitalmärkte zu beruhigen.

Es gelang ihm nur begrenzt. Am Dienstag folgte nach seiner Aussage ein kurzer Börsenaufschwung. Die Euphorie war jedoch schnell verflogen und die wichtigsten Börsen schlossen die Woche im Minus.

Stattdessen steigt die Sorge, dass durch die Blockade der Straße von Hormuz – und die daraus resultierenden Knappheit von Rohöl und LNG – ernsthafter Schaden für die Weltwirtschaft entstehen könnte. Deutlich zu abzulesen ist diese Sorge an den Öl- und Gaspreisen, die seit Kriegsbeginn um 40 % bis 50 % gestiegen sind.

Zugegeben: Trump ist immer für eine Überraschung gut. Bisher hat er jedes Mal, wenn er sich vergaloppiert hat, einen “Deal” gemacht, der das Schlimmste abgewendet hat.

Möglicherweise gelingt ihm das dieses Mal wieder und der Iran-Krieg endet wirklich bald.

Leider ist das „Prinzip Hoffnung“ keine empfehlenswerte und belastbare Anlagestrategie.

Hoffen auf das Beste, Vorbereiten auf das Schlimmste

Anleger sollten sich vorsichtshalber auf einen deutlichen Börsenabschwung einstellen. Weil der Konflikt eventuell doch länger dauert und/oder weil es Wirkungen zweites Grades geben könnte, die sich erst in den kommenden Wochen und Monaten bemerkbar machen. Zum Beispiel, dass die Golfregion auch ein bedeutender Lieferant von Düngemitteln ist. Oder dass die Inflation zurückkehrt.

Die Geschichte zeigt: Politische Prognosen über die Dauer von Konflikten sind notorisch unzuverlässig. Der Ukraine-Krieg dauert nun schon seit über 4 Jahren. Der Erste Weltkrieg sollte „bis Weihnachten vorbei“ sein. Viele geopolitische Konflikte der letzten Jahrzehnte dauerten deutlich länger als ursprünglich erwartet. Was als kurze Intervention begann, wurde nicht selten zum langjährigen Engagement mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen.

Für Anleger stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Sollte man seine Anlagestrategie auf politische Vorhersagen stützen?

Die Antwort lautet eindeutig: Nein.

Für Anleger gilt die wichtige Regel: Börsenkrisen, egal wodurch sie ausgelöst werden, gehören zur Geldanlage dazu.

Aber: Anleger sollten sich nicht von Krisen überraschen lassen.

Oder, um es mit den Worten von Friedrich dem Großen zu sagen:

„Es ist keine Schande, besiegt zu werden, aber es ist eine Schande, überrascht zu werden.“

In der Sprache der Geldanlage:

Wir können nichts dagegen tun, dass die Börsen von Zeit zu Zeit fallen und unser Depot eventuell einmal ins Minus geht (auf dem Papier).

Aber wir sollten durch solch einen Kursrückgang nicht in einer Weise überrascht werden, dass wir in Panik reagieren und verkaufen.

Wenn Anleger in einer Krise plötzlich panisch reagieren müssen, ist nicht die Krise Schuld.

Sondern das Portfolio wurde nicht krisenfest konstruiert. Hier die häufigsten Fehler:

  • die Aktienquote ist zu hoch
  • die Risikotoleranz wurde überschätzt
  • fehlende Aufklärung über die Grundprinzipien der Kapitalmärkte und von Krisen

Warum Krisen keine Ausnahme sind

Finanzmärkte durchlaufen regelmäßig Phasen erheblicher Turbulenzen. Die Finanzkrise 2008, der Corona-Crash 2020, geopolitische Konflikte, Inflationsschocks und Zinswenden. Die genaue Ursache ist jedes Mal eine andere.

Das Muster ist jedoch immer gleich: Aktien fallen teilweise stark. Anleger reagieren emotional.

Wer die Kapitalmarktgeschichte der letzten hundert Jahre betrachtet, erkennt schnell: Krisen sind keine Ausnahme. Sie sind der Normalzustand. In jeder Dekade gab es mindestens ein Ereignis, das als „ohne Beispiel“ beschrieben wurde. Und jedes Mal erholten sich die Märkte. Allerdings nur für diejenigen, die investiert blieben.

Das Problem ist daher selten das Ereignis selbst. Das Problem ist ein Portfolio, das nicht für solche Phasen vorbereitet ist.

Der Unterschied zwischen einem guten und einem krisenfesten Portfolio

Viele Portfolios werden in ruhigen Marktphasen konstruiert. Dann sieht alles gut aus. Aktien steigen. Risiko scheint beherrschbar. Renditen wirken stabil.

Doch erst in der Krise zeigt sich die wahre Qualität einer Portfolioarchitektur. Was in guten Zeiten funktioniert, kann unter Stress schnell an seine Grenzen stoßen. Konzentrationsrisiken, die vorher unsichtbar waren, werden plötzlich spürbar. Korrelationen, die im Aufschwung niedrig schienen, steigen in der Krise sprunghaft an.

Ein krisenfestes Portfolio verfolgt deshalb ein klares Ziel: Nicht jede Krise vermeiden. Sondern sie überstehen, ohne strategisch reagieren zu müssen.

Die Bausteine eines krisensicheren Portfolios

Ein robustes Portfolio basiert auf mehreren stabilisierenden Faktoren. Keiner dieser Faktoren allein reicht aus. Erst ihr Zusammenspiel schafft die Widerstandsfähigkeit, die in Stressphasen den Unterschied macht.

Diversifikation über Anlageklassen. Das Fundament jedes stabilen Portfolios ist Diversifikation. Das bedeutet: globale Aktien, verschiedene Segmente des Anleihemarktes und unterschiedliche Risikofaktoren. Anlageklassen – also die verschiedenen Kategorien von Investments wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe – reagieren unterschiedlich auf wirtschaftliche Entwicklungen. Diversifikation sorgt dafür, dass nicht alle Teile des Portfolios gleichzeitig unter Druck geraten.

Aktien als langfristiger Wachstumsmotor. Aktien bleiben die wichtigste Quelle langfristiger Rendite. Wichtig ist dabei eine globale Streuung über tausende Unternehmen statt einzelner Titel und verschiedene Marktsegmente wie Large Cap, Small Cap und Value. Ein breit diversifiziertes Aktienportfolio reduziert das Risiko, dass einzelne Regionen oder Branchen dominieren. Wer etwa ausschließlich auf den deutschen Markt setzt, ist den Schwankungen einer einzigen Volkswirtschaft ausgeliefert.

Anleihen als Stabilitätsanker. Anleihen erfüllen im Portfolio eine völlig andere Funktion als Aktien. Sie sollen Stabilität liefern, Liquidität bereitstellen und Schwankungen reduzieren. Besonders wichtig ist die Streuung über verschiedene Laufzeiten.

Kurzlaufende Anleihen bieten ein geringes Zinsänderungsrisiko, hohe Stabilität und eine gute Liquiditätsreserve. Sie dienen oft als Puffer in Stressphasen – als der Teil des Portfolios, auf den man zugreifen kann, ohne Verluste realisieren zu müssen.

Mittlere Laufzeiten (bis zu 5 Jahren) kombinieren ein moderates Zinsänderungsrisiko mit stabileren Renditen und guter Diversifikation gegenüber Aktien.

Langlaufende Anleihen hingegen können in schweren Krisen problematisch werden, falls die Börsenkrise mit der Erwartung steigender Zinsen einhergeht.

Hochzinsanleihen als Renditekomponente. Hochzinsanleihen – auch „High Yield“ genannt – spielen eine besondere Rolle. Sie bieten höhere Verzinsung und eine Risikoprämie gegenüber Staatsanleihen. Allerdings reagieren sie stärker auf wirtschaftliche Abschwünge, weil ihre Emittenten eine geringere Bonität aufweisen. Deshalb gilt: Hochzinsanleihen sollten eine Beimischung sein, nicht das Fundament des Portfolios.

Liquidität und Rebalancing-Fähigkeit. Ein krisenfestes Portfolio ermöglicht aktives Rebalancing und antizyklisches Nachkaufen. Das bedeutet: Nach starken Aktienrückgängen werden gezielt Aktien nachgekauft, defensive Bausteine werden reduziert. Dafür braucht man liquide Anlagen und stabile Portfolioanteile. Wer ausschließlich risikoreiche Anlagen hält, verliert genau diese Möglichkeit in dem Moment, in dem sie am wertvollsten wäre.

Eine klare Risikostruktur. Viele Anleger unterschätzen ihr tatsächliches Risiko. Ein solides Portfolio definiert daher klar: maximale Schwankungen, die strategische Aktienquote und klare Rebalancing-Regeln. Wer sich diese Fragen erst in der Krise stellt, stellt sie zu spät. Das Ziel ist nicht, jede Krise zu vermeiden, sondern emotional stabile Entscheidungen zu ermöglichen.

Die größte Gefahr: Reaktionen aus der Krise heraus

Die meisten Anlagefehler entstehen nicht in ruhigen Phasen, sondern im Chaos der Märkte.

Zahlreiche Anleger verfolgen eine sogenannte Market-Timing-Strategie. Das heißt, sie versuchen Börsenabschwünge vorherzusagen und rechtzeitig aus dem Markt auszusteigen. Das Ziel: Nachdem die Kurse stark gefallen sind, steigt man mit günstigeren Preisen wieder in den Markt ein.

In der Theorie klingt diese Strategie logisch. In der Praxis gelingt sie kaum einem Anleger. Zum Beispiel, weil Erholungen häufig sehr schnell erfolgen und Anleger nicht rechtzeitig reagieren (können).

Emotionale Entscheidungen in der Krise kosten langfristig enorme Rendite. Der Grund: Sie werden unter Stress getroffen. In einem Moment, in dem das Gehirn auf Flucht programmiert ist, nicht auf rationale Analyse.

Fazit

Ein gutes Wertpapier-Portfolio erkennt man daran, dass man in der Krise keine ungeplanten Entscheidungen unter Stress treffen muss.

Wie fast immer im Leben: Alles hat seinen Preis.

Wer die 7 %-Jahresrendite des Aktienmarkts haben will, muss von Zeit zu Zeit den Preis dafür bezahlen.

Der Preis sind Schwankungen und manchmal handfeste Krisen. Das ist unvermeidbar.

In Krisenzeiten ist ein kühler Kopf gefragt. Keine Prognosen, keine geopolitische Einschätzungen und keine Vermutungen. Und auch nicht auf die Hoffnung, dass Konflikte „nicht lange dauern“.

Gefragt sind robuste Strukturen, Diversifikation und klare Regeln.

Denn am Ende gilt: Die Qualität einer Anlagestrategie zeigt sich nicht im Aufschwung – sondern in der Krise.

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

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