Die Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und Israel hat weltweit verständlicherweise zu Verunsicherung und Besorgnis bei Anlegern geführt.
Vor allem auch deshalb, weil diese Art von Krisen ein gefundenes Fressen für Marktkommentatoren, „Experten“ und die herkömmliche Finanzpresse sind, um ihre Meinungen, Vermutungen und Handlungsempfehlungen unters Volk zu bringen.
Hier eine kleine Auswahl der mehr oder minder reißerischen Schlagzeilen der vergangenen Woche:
- „Diese Aktien profitieren schon jetzt vom Iran-Konflikt“
- „Den USA könnte schon bald die Munition ausgehen.“
- „China könnte die Gunst der Stunde nutzen und Taiwan angreifen.“
Das Thema Benzinpreis wird aktuell besonders stark in der Presse gespielt. Zur Einordnung: Ein um 25 Cent gestiegener Benzinpreis belastet den durchschnittlichen Autofahrer um circa 20 Euro pro Monat.
Wenn man jedoch einen Schritt zurücktritt und die tatsächlichen Marktdaten betrachtet, zeigt sich, dass die Reaktion der globalen Kapitalmärkte bisher relativ moderat ausgefallen ist.
Im Folgenden finden Sie einen Überblick darüber, wie sich wichtige Aktienindizes seit Freitag, dem 27. Februar, also kurz vor der Eskalation des Konflikts, entwickelt haben.
Entwicklung der wichtigsten globalen Aktienindizes
| Index | Schlusskurs 27. Feb. | Schlusskurs 6. März | Veränderung |
| S&P 500 (USA) | 6.900 | 6.750 | -1,7 % |
| DAX (Deutschland) | 25.020 | 23.600 | -6,5 % |
| Euro Stoxx 50 (Europa) | 6.150 | 5.700 | -6,9 % |
| MSCI World | 4.550 | 4.450 | -2,2 % |
| Nikkei 225 (Japan) | 59.000 | 55.700 | -5,7 % |
| Shanghai Composite (China) | 4.140 | 4.125 | -0,6 % |
| KOSPI (Südkorea) | 6.240 | 5.600 | -9,5 % |
Insgesamt sind die globalen Aktienmärkte seit Beginn des Konflikts moderat gefallen. Die meisten wichtigen Indizes in den entwickelten Märkten liegen derzeit etwa zwischen -2 % und –6 % unter ihrem Niveau von Ende Februar. Einige asiatische Märkte – insbesondere Südkorea aufgrund seiner Abhängigkeit von Öl- und LNG-Importen aus der Golfregion – haben stärkere Verluste gezeigt.
Zur Einordnung: Eine 10 %-ige Korrektur der Aktienmärkte geschieht, statistisch betrachtet, einmal pro Jahr.
Der letzte Abschwung folgte Donald Trumps Liberation Day im April 2025. Damals fielen die globalen Börsen um 7 % bis 12 %. Innerhalb weniger Wochen wurden die Verluste wettgemacht und neue historische Höchststände erreicht.
Trotz dieses heftigen geopolitischen Schocks ist also bislang kein dramatischer Ausverkauf an den Aktienmärkten zu beobachten. Historisch betrachtet führen viele geopolitische Konflikte zwar zu kurzfristiger Volatilität, verändern jedoch selten den langfristigen Trend der Kapitalmärkte. Der grundsätzlich nach oben zeigt.
Warum Prognosen derzeit besonders schwierig sind
In solchen Situationen stellen sich viele Anleger die Frage: Wie geht es nun weiter an den Märkten?
Die ehrliche Antwort lautet: Niemand kann das zuverlässig vorhersagen.
Die aktuelle Situation ist äußerst komplex und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter:
- eine mögliche weitere Eskalation oder Deeskalation des Konflikts
- die Entwicklung der Ölpreise und mögliche Störungen der Energieversorgung
- Reaktionen anderer Staaten in der Region
- geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken
- Inflation und wirtschaftliche Entwicklung
- Anlegerstimmung und Marktpositionierungen
Kurzfristige Marktbewegungen in solchen Situationen vorherzusagen, ist äußerst schwierig (unmöglich?) und führt häufig zu Fehlentscheidungen.
Außerdem reagieren Finanzmärkte sehr schnell auf neue Informationen und entwickeln sich oft anders als von Marktbeobachtern erwartet.
Diversifikation bleibt das wichtigste Instrument zur Risikosteuerung
Gerade in solchen Phasen zeigt sich der große Wert eines zentralen Anlageprinzips:
Diversifikation.
Geopolitische Krisen betreffen selten alle Anlageklassen oder Regionen gleichermaßen. Während einzelne Märkte zeitweise stärker unter Druck geraten können, bleiben andere stabil oder entwickeln sich sogar positiv.
Ein gut diversifiziertes Wertpapier-Portfolio verteilt Risiken typischerweise über:
- verschiedene Regionen
- unterschiedliche Branchen
- mehrere Anlageklassen
- zahlreiche Währungen
Auf diese Weise kann der Einfluss einzelner Ereignisse auf das Gesamtportfolio deutlich reduziert werden.
Praxisbeispiel
Unsere Aktien-Portfolios investieren weltweit in über 10.000 Aktien und sind global breit gestreut. Im Jahr 2025 sah die Performance in etwa wie folgt aus (gerundet, in Euro):
- Europäische Aktien: +20 %
- Schwellenländer: +15% bis +20 %
- USA: +5 %
Die Underperformance der US-Aktien lag vor allem an dem starken Wertverlust des US-Dollars gegenüber dem Euro. Dieser lag im Jahr 2025 bei rund 13 %.
Aufgrund der breiten globalen Diversifikation haben unsere Aktienportfolios im Jahr 2025 trotz der US-Dollar-Schwäche Renditen im zweistelligen Prozentbereich erzielt.
Donald Trump hat es sich zum Ziel gesetzt, den US-Dollar gegenüber den anderen Währungen zu schwächen. Das ist ihm im Jahr 2o25 gelungen. Seit Beginn des Iran-Konflikts ist der US-Dollar jedoch um rund 3 % gegenüber dem Euro gestiegen und die US-Märkte haben den Rest der Welt outperformed.
Die Rolle von Anleihen in einem volatilen Umfeld
Für die meisten Anleger ist es nicht sinnvoll, ihr gesamtes Vermögen in Aktien zu investieren.
Zum Beispiel weil Anleger vor allem auf Vermögenserhalt abzielen und deshalb bewusst eine geringere Aktienquote wählen. Statt Aktien kommen dann Anleihen zum Einsatz.
So liegt die Aktienquote in den von uns betreuten Portfolios bei rund 50 %.
Anleihen gelten als sicher und langweilig. Es kann vermeintlich nichts schief gehen.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Bei Anleihen kann sehr wohl sehr viel schief gehen. Zum Beispiel wenn man in langlaufende Anleihen investiert und auf einmal die Zinsen stark steigen. So wie es im Jahr 2022 passiert ist. Auf einmal verlieren die langlaufenden Anleihen 10 % bis 40 % an Wert.
Dieses Risiko sollten Anleger aktuell besonders im Blick haben, denn ein länger andauernder Krieg mit dem Iran könnte zu einer Rückkehr der Inflation führen. Die Benzin, Öl und Gaspreise sind aufgrund der Unterbrechung der Lieferungen aus der Golfregion bereits stark angestiegen.
Eine steigende Inflation könnte Zinserhöhungen auslösen. Unter denen vor allem langlaufende Anleihen leiden würden.
Die Umlaufrendite 10-jähriger Bundesanleihen ist letzte Woche bereits um 0,2 % gestiegen. Das klingt erst einmal moderat. Bedeutet aber einen Kursverlust von rund 2 %.
Aus diesen Gründen investieren wir Kapital, das der Stabilität oder Liquidität dienen soll, vor allem in kurzlaufenden Anleihen hoher Bonität.
Kurzlaufende Anleihen bieten dabei zwei wesentliche Vorteile:
- Geringere Zinssensitivität (niedrigeres Durationsrisiko)
- Relativ stabile Wertentwicklung auch in unruhigen Marktphasen
So lässt sich Liquidität erhalten, ohne dass dieser Teil des Vermögens größeren Zinsschwankungen ausgesetzt ist.
Geduld ist in Krisenzeiten besonders wichtig
Die Geschichte der Kapitalmärkte zeigt, dass geopolitische Schocks in der Regel von kurzer Dauer sind.
Für langfristig orientierte Anleger sind in solchen Phasen vor allem drei Eigenschaften entscheidend:
- Disziplin
- Geduld
- eine klare und langfristige Anlagestrategie
Der Versuch, Märkte in Krisenzeiten kurzfristig zu timen, führt in der Praxis selten zu besseren Ergebnissen. In den meisten Fällen erweist es sich als erfolgreicher, investiert zu bleiben und den langfristigen Anlagehorizont im Blick zu behalten.
Für Anleger mit ausreichender Liquidität und langfristigem Anlagehorizont können stärkere Kursrückgänge sogar Chancen bieten. Sollten die Märkte weiter fallen, kann antizyklisches Investieren – also Käufe in schwachen Marktphasen – eine sinnvolle Strategie sein. Dieser Zeitpunkt ist aber noch nicht gekommen.
Fazit
Die geopolitische Lage ist derzeit extrem komplex und mit hohen Unsicherheiten verbunden. Die bisherige Reaktion der globalen Kapitalmärkte fiel relativ moderat aus.
Sollte sich der Konflikt ausweiten oder länger andauern, sind weitere Kursrückgänge vorstellbar. Diese könnten dann die Möglichkeit zum antizyklischen Nachinvestieren sein.
Statt kurzfristige Marktentwicklungen prognostizieren zu wollen, sollten Anleger sich auf bewährte Grundprinzipien konzentrieren:
- ein breit diversifiziertes Portfolio
- stabile Liquiditätsbausteine, beispielsweise in kurzlaufenden Anleihen
- Disziplin und Geduld
Krisen sind unangenehm – aber sie gehören zur Realität langfristiger Kapitalanlage.
Gerade in solchen Zeiten gilt: Geduld und eine konsequente Buy-and-Hold-Strategie bleiben die verlässlichsten Erfolgsfaktoren für langfristige Anleger.
Achim TeskeAchim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.
