Festgeld war gestern:
Was der Anleihemarkt jetzt bietet


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Veröffentlicht am 22. Februar 2026

Viele Anleger haben ihr Geld seit der Zinswende im Jahr 2022 bewusst sicher geparkt. Vor allem in Tagesgeld und Festgeld. Dies war eine nachvollziehbare Entscheidung. Die Zinsen waren zurück, die Komplexität blieb draußen. Wertschwankungen? Fehlanzeige.

Doch die Zinssituation hat sich schon wieder zum Nachteil von Anlegern geändert. Aufgrund der Zinssenkungen der EZB sinken die Einlagenzinsen schon seit einiger Zeit.

Die gute Nachricht für sicherheitsorientierte Anleger: Der Anleihemarkt bietet Renditen, die deutlich über dem liegen, was Banken ihren Kunden derzeit gutschreiben.

Für Anleger, die Sicherheit schätzen, aber Kaufkraftverlust vermeiden wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, das eigene Zinskonzept zu überdenken.

Warum die Anlageklasse wichtiger ist als das Produkt

Es gibt einen Grundsatz der Kapitalanlage, der in der Praxis erstaunlich oft übersehen wird: Über 90 Prozent des langfristigen Anlageerfolgs werden nicht durch die Auswahl einzelner Produkte bestimmt und auch nicht durch den vermeintlich richtigen Einstiegszeitpunkt.

Entscheidend für den Anlageerfolg ist die Wahl der Anlageklasse. 

Eine Anlageklasse beschreibt, wo Ihr Geld investiert ist. Die Hauptanlageklassen sind: Aktien, Immobilien, Anleihen, Cash (inkl. Tagesgeld, Festgeld und Sparbücher) und Rohstoffe (inkl. Gold).

Die Wahl der Anlageklasse ist entscheidend für den Vermögensaufbau und den Vermögenserhalt. Wer dauerhaft auf Bankeinlagen setzt, entscheidet sich faktisch für eine Anlageklasse mit sehr begrenztem Renditepotenzial. Der größte Renditeunterschied entsteht nicht zwischen zwei Festgeldangeboten verschiedener Banken. Er entsteht zwischen Festgeld und Kapitalmarkt.

Es ist also weniger die Frage, bei welchem Anbieter man sein Geld anlegt. Es ist die Frage, ob man es überhaupt dort anlegt, wo nachhaltiger Ertrag möglich ist.

Einlagenzinsen im Rückwärtsgang

Die Phase der attraktiven Bankzinsen ist schon etwas länger vorbei. Vereinzelt lassen sich eventuell noch interessante Angebote finden. Häufig sind diese jedoch typische Lockvogel-Angebote: Sie sind zeitlich begrenzt oder die Anlagesumme ist limitiert.

Banken geben fallende Kapitalmarktzinsen in der Regel schnell an ihre Kunden weiter, während steigende Zinsen häufig mit Verzögerung ankommen. Wer heute neu anlegt, bewegt sich meist bei ein bis zwei Prozent. Für kleinere Beträge mag das hinnehmbar sein. Für größere Vermögen reicht es langfristig nicht aus, um auch nur die Kaufkraft zu erhalten. Im Gegenteil: Wir sprechen von realem Vermögensverlust.

Was der Anleihemarkt aktuell bietet

Der Blick auf den Anleihemarkt zeigt ein anderes Bild. Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität liegen aktuell bei rund drei Prozent Verzinsung pro Jahr. Bei sehr geringem Risiko.

Hochzinsanleihen, also Papiere von Emittenten mit etwas niedrigerer Bonität, bieten circa fünf Prozent Verzinsung pro Jahr. Für Anleger, die mehr Ertrag suchen, ohne sich den typischen Aktienrisiken auszusetzen, sind Hochzinsanleihen eine ernstzunehmende Alternative oder zumindest eine sinnvolle Ergänzung.

Wer sichere Anleihen und Hochzinsanleihen gezielt kombiniert, erreicht derzeit eine Rendite von rund vier Prozent. Das ist keine theoretische Modellrechnung, sondern das, was sich aus der aktuellen Marktlage ergibt.

Breit aufgestellte Anleihenportfolios bieten somit aktuell laufende Erträge deutlich über den Bankzinsen bei gleichzeitig erheblich geringeren Schwankungen als Aktien.

Nur nebenbei: Anleger müssen sich bei Anleihen keine Sorgen wegen der 100.000 Euro-Grenze bei der Einlagensicherung machen. Es können deutlich größere Beträge investiert werden.

Nominale Rendite ist nicht reale Rendite

Bei der Bewertung einer Anlage wird ein entscheidender Unterschied häufig übersehen. Die nominale Rendite, also der ausgewiesene Zinssatz, sagt für sich genommen wenig über den tatsächlichen Vermögenszuwachs aus. Was zählt, ist die reale Rendite, also das, was nach Abzug der Inflation und Kapitalertragsteuern übrig bleibt.

Ein Beispiel macht das greifbar: Wer sein Geld zu 1,5 Prozent im Festgeld anlegt und gleichzeitig einer Inflation von 2,5 Prozent gegenübersteht, erzielt eine reale Rendite von minus einem Prozent (unter Berücksichtigung von Steuern sogar minus 1,5 Prozent). Das Vermögen wächst zwar auf dem Papier, verliert aber tatsächlich an Wert.

Mit Anleiherenditen von drei bis fünf Prozent besteht dagegen eine realistische Chance, nach Inflation im positiven Bereich zu bleiben. Und genau das ist der Maßstab, der für den langfristigen Vermögenserhalt zählt.

Was ein Renditeunterschied von 2,5 Prozentpunkten bedeutet

Wie stark sich selbst moderate Renditeunterschiede auswirken, zeigt eine einfache Rechnung. Ausgangspunkt ist ein Anlagebetrag von einer Million Euro über fünf Jahre, jeweils mit Wiederanlage der Erträge und vor Steuern.

JahrFestgeld 1,5 %Anleihen-Mix 4,0 %
Start1.000.000 Euro1.000.000 Euro
Jahr 11.015.000 Euo1.040.000 Euro
Jahr 21.030.225 Euro1.081.600 Euro
Jahr 31.045.678 Euro1.124.864 Euro
Jahr 41.061.364 Euro1.169.859 Euro
Jahr 51.077.284 Euro1.216.653 Euro

Ertrag Festgeld nach 5 Jahren: +77.284 Euro
Ertrag Anleihenportfolio nach 5 Jahren: +216.653 Euro
Mehrertrag durch den Anleihen-Mix: rund 139.000 Euro

Ein Unterschied von 2,5 Prozentpunkten klingt auf den ersten Blick überschaubar. Bei größeren Vermögen wird daraus in wenigen Jahren eine erhebliche Abweichung, die sich mit zunehmender Laufzeit weiter verstärkt.

Das unterschätzte Risiko heißt Kaufkraftverlust

Giro-, Tages- und Festgeldkonten haben ihre Berechtigung. Sie dienen der Liquidität, der kurzfristigen Sicherheit, der schnellen Verfügbarkeit. Doch für den langfristigen Vermögenserhalt sind sie kein geeignetes Instrument.

Einlagenzinsen folgen den Kapitalmarktzinsen. Aktuell also vor allem nach unten. Inflation reduziert die reale Vermögensentwicklung Jahr für Jahr. Und Renditechancen, die der Kapitalmarkt bietet, bleiben schlicht ungenutzt.

Viele Anleger denken bei Risiko an Kursschwankungen. Das ist verständlich, greift aber zu kurz. Das größte Risiko für ein größeres Vermögen ist oft nicht die Volatilität, sondern der stille, schleichende Kaufkraftverlust, der auf keinem Kontoauszug sichtbar wird.

Fazit: Sicherheit neu denken

Die aktuelle Marktlage bietet ein günstiges Fenster. Solide Anleihen rentieren bei rund drei Prozent, Hochzinsanleihen bei etwa fünf Prozent, ein ausgewogener Mix bei rund vier Prozent. Die Ertragsperspektiven liegen damit deutlich über dem, was Bankeinlagen derzeit leisten können.

Der wichtigste Hebel ist dabei kein einzelnes Produkt und kein Timing. Es ist die Entscheidung für die richtige Anlageklasse. Denn echte Sicherheit bedeutet nicht, Schwankungen zu vermeiden. Echte Sicherheit bedeutet, Vermögen real zu erhalten und wachsen zu lassen.

Achim Teske Achim Teske

Achim Teske ist einer von nur rund 200 echten unabhängigen Honorar-Anlageberatern in Deutschland. Der Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann hat 16 Jahre für globale Investmentbanken gearbeitet, darunter 10 Jahre in London und 6 Jahre in Singapur. Zuletzt war er Managing Director und Leiter des Portfolio Managements für Asien-Pazifik. Seit 2017 ist er Honorarberater. 2019 wurde er in den DIN-Normenausschuss für Finanzdienstleistungen berufen.

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